Die Stockente ist zweifellos die bekannteste und am weitesten verbreitete Entenart in Mitteleuropa und gilt als die Stammform unserer Hausente. Ihre enorme Anpassungsfähigkeit hat es ihr ermöglicht, nahezu jeden Lebensraum mit offenen Gewässern zu besiedeln, von entlegenen Seen bis hin zu urbanen Parkteichen mitten in der Großstadt. Diese Anpassungsfähigkeit und ihre geringe Scheu vor dem Menschen haben zu ihrer weiten Verbreitung auf der gesamten Nordhalbkugel, der sogenannten Holarktis, beigetragen. Trotz ihrer Allgegenwart ist das farbenprächtige Gefieder des Männchens, des Erpels, stets ein Blickfang.
Erscheinungsbild und Geschlechtsunterschiede
Die Stockente ist eine der größten in unseren Breiten heimischen Entenarten und erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimetern. Der auffälligste Unterschied besteht zwischen den Geschlechtern, insbesondere während des sogenannten Prachtkleides der Erpel.
Der Erpel zeigt im Prachtkleid, das er den größten Teil des Jahres trägt, einen metallisch schillernden, dunkelgrünen Kopf mit einem dünnen, weißen Halsring. Die Brust ist purpurbraun, der Körper und die Flanken sind größtenteils hellgrau mit feiner Maserung. Charakteristisch sind auch die vier nach oben gebogenen, schwarzen Mittelschwanzfedern, die als Erpellocken bekannt sind. Der Schnabel des Männchens ist leuchtend grünlich-gelb.
Das Weibchen (die Ente) ist unscheinbarer gefärbt. Ihr Federkleid ist überwiegend beige-braun-grau gemustert, was eine ausgezeichnete Tarnung während der Brutzeit ermöglicht. Ihr Schnabel ist im Gegensatz zum Erpel dunkelgrau bis braun mit orangen Flecken. Beide Geschlechter besitzen jedoch auf den Flügeln einen charakteristischen, purpurblau schillernden Spiegel, der schwarz und weiß eingefasst ist. Zweimal im Jahr findet eine Mauser statt, wobei der Erpel während des Schlichtkleides im Spätsommer dem Weibchen ähnlicher sieht und für eine Zeit flugunfähig ist.
Lebensraum und Verhalten
Stockenten sind Gründelenten, was bedeutet, dass sie zur Nahrungssuche den Kopf und den Vorderkörper unter Wasser tauchen, während der hintere Teil des Körpers und der Schwanz aufrecht aus dem Wasser ragen. Sie sind extrem anpassungsfähig und bewohnen Seen, Flüsse, Teiche, Sümpfe und sogar kleine Gartenteiche.
Stockenten sind tagaktiv und verständigen sich über unterschiedliche Rufe: Die weibliche Ente ist bekannt für ihr lautes Quaken, während der Erpel eher ein leiseres, gutturales Grunzen oder Krächzen von sich gibt. Das gesamte Gefieder, das aus etwa 10.000 Daunen und Deckfedern besteht, wird regelmäßig mit Fett aus der Bürzeldrüse eingefettet, um es wasserdicht zu machen und die Isolation gegen Kälte zu gewährleisten.
Fortpflanzung und Aufzucht
Stockenten leben oft in saisonaler Monogamie. Die Brutzeit beginnt typischerweise im zeitigen Frühjahr, wobei die Weibchen ein Nest meistens am Boden in dichter Ufervegetation bauen. Gelegentlich nisten sie auch auf Bäumen, in Blumenkästen oder auf Gebäudedächern.
Ein Gelege umfasst durchschnittlich 7 bis 11 Eier, die fast vier Wochen (25 bis 28 Tage) lang von der Ente allein ausgebrütet werden. Der Erpel verlässt das Weibchen kurz nach Brutbeginn, um sich zur Mauser mit anderen Männchen zu versammeln. Die Küken sind Nestflüchter, die bereits kurz nach dem Schlüpfen das Nest verlassen können und der Mutter folgen. Sie werden in den ersten Wochen fast ausschließlich mit tierischer Nahrung versorgt, bis sie nach etwa zwei Monaten flügge und selbstständig sind.
Nahrung
Die Stockente ist ein Allesfresser mit einer sehr variablen Ernährung, die sich je nach Jahreszeit ändert. Sie ernährt sich hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung wie Gräsern, Wasserpflanzen, Samen, Eicheln und Nüssen. Der tierische Anteil besteht aus Wasserinsekten, Insektenlarven, Würmern, Schnecken, Kaulquappen, Fröschen und kleinen Fischen. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl im Wasser als auch an Land. Es ist wichtig zu beachten, dass das Füttern von Stockenten mit Brot in Gewässern nicht empfohlen wird, da dies zu gesundheitlichen Problemen bei den Tieren führen und das ökologische Gleichgewicht des Gewässers stören kann.