Die Kohlmeise ist die größte und wohl bekannteste Art aus der Familie der Meisen in Europa. Sie zeichnet sich durch ihre Farbenpracht und ihre Anpassungsfähigkeit aus, was sie zu einem häufigen und gern gesehenen Gast in Gärten, Parks und Wäldern macht. Ihr Name leitet sich wahrscheinlich von ihrem tiefschwarzen Kopf ab, der an ein Stück Kohle erinnert.
Erscheinungsbild und Unterscheidungsmerkmale
Mit einer Körperlänge von etwa 14 bis 15 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 22 Gramm ist die Kohlmeise die größte heimische Meisenart. Ihr Gefieder ist unverwechselbar: Der Kopf ist glänzend tiefschwarz und kontrastiert stark mit den weißen Wangenfeldern. Die Unterseite ist leuchtend gelb, durchzogen von einem auffälligen schwarzen Längsstreifen, der beim Männchen breiter, durchgehend und kräftiger gefärbt ist, während er beim Weibchen oft schmaler, blasser oder unterbrochen erscheint. Der Rücken ist moosgrün, und die blaugrauen Flügel zeigen eine deutliche weiße Binde. Dieser Geschlechtsunterschied im schwarzen Bauchstreifen ist das wichtigste Merkmal zur Unterscheidung von Männchen und Weibchen.
Lebensraum, Verbreitung und Zugverhalten
Die Kohlmeise ist ein ausgesprochen flexibler Vogel, der fast überall dort vorkommt, wo es Bäume und Gehölze gibt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas, den Nahen Osten und durch die gemäßigte Zone Asiens. Man findet sie in Laub- und Mischwäldern, in Parks, Gärten und sogar in städtischen Siedlungsgebieten. In Deutschland zählt die Kohlmeise größtenteils zu den Standvögeln, was bedeutet, dass sie das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleibt. Jungvögel oder Populationen aus nördlicheren, kälteren Regionen können im Herbst jedoch als Teilzieher in mildere Gegenden abwandern.
Gesang und Verhalten
Die Kohlmeise ist ein sehr aktiver und wenig scheuer Singvogel. Man sieht sie oft geschickt und hüpfend im Geäst nach Nahrung suchen. Ihr Gesang ist kräftig, laut und überaus abwechslungsreich. Charakteristisch ist der rhythmisch wiederholte Ruf, der oft wie ein zweisilbiges "züi-ti-züi-ti" oder "zi-bä-zi-bä" klingt und besonders in den Wintermonaten und im zeitigen Frühjahr zur Revierabgrenzung häufig zu hören ist. Die Kohlmeise zeigt eine hohe Lernfähigkeit und ist dafür bekannt, neue Nahrungsquellen zu erschließen und sogar die Rufe anderer Vögel nachzuahmen.
Fortpflanzung und Ernährung
Die Brutzeit der Kohlmeise beginnt meist zwischen März und Juni, wobei oft ein bis zwei Jahresbruten stattfinden. Als Höhlenbrüter nutzt sie natürliche Baumhöhlen oder Felsspalten, nimmt aber sehr gerne auch die vom Menschen bereitgestellten Nistkästen an. Das Nest wird vom Weibchen aus weichem Material wie Moos, Tierhaaren und Federn ausgepolstert. Ein Gelege umfasst typischerweise sechs bis zwölf Eier, die etwa zwei Wochen bebrütet werden.
Die Nahrung der Kohlmeise ist saisonabhängig: Im Sommer ernährt sie sich hauptsächlich von tierischer Kost wie Insekten, Spinnen, Raupen und Blattläusen, die zur Aufzucht der Jungen unerlässlich ist. Im Winter, wenn Insekten Mangelware sind, stellt sie auf pflanzliche Nahrung um und frisst Samen, Nüsse und Beeren. Sie ist ein häufiger und dankbarer Besucher an Futterhäusern, wo sie besonders ölhaltige Samen und Erdnüsse bevorzugt.
Gefährdungsstatus
Dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit und weiten Verbreitung gilt die Kohlmeise in Mitteleuropa nicht als gefährdet und zählt zu den häufigsten Brutvögeln. Sie profitiert von der Existenz von Parks und Gärten, die ihr reichlich Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten, solange geeignete Höhlen oder Nistkästen vorhanden sind.

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