Die Dohle ist der kleinste unter den heimischen Rabenvögeln und fällt durch ihre Anpassungsfähigkeit und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten auf. Ursprünglich ein Steppenvogel, hat sie sich im Laufe der Zeit zu einem echten Kulturfolger entwickelt und ist heute ein fester Bestandteil vieler städtischer und dörflicher Gebiete. Trotz ihrer dunklen Erscheinung wird sie oft wegen ihrer Geselligkeit und Intelligenz geschätzt, auch wenn sie lange Zeit, wie viele Rabenvögel, mit Aberglauben und negativen Vorstellungen behaftet war.
Erscheinungsbild und Kennzeichen
Die Dohle ist in etwa taubengroß und damit deutlich kleiner als Raben- oder Saatkrähen, mit denen sie oft verwechselt wird. Das Gefieder der Dohle ist überwiegend schwarz, wobei es bei gutem Licht einen metallischen, bläulichen Schimmer annehmen kann. Ihr auffälligstes und eindeutiges Merkmal ist der hellgraue bis silbergraue Nacken und Hinterkopf, der sich deutlich vom dunkleren Körper abhebt. Hinzu kommen die hellen, blaugrauen oder hellgrauen Augen, die der Dohle ein charakteristisches Aussehen verleihen, das manche als "Kindchenschema" interpretieren. Ihr Schnabel ist im Vergleich zu anderen Krähenvögeln relativ kurz und spitz. Im Flug ist der Flügelschlag der Dohle schneller und ruckartiger als bei ihren größeren Verwandten. Am Boden schreitet sie in aufrechter Haltung schnell und forsch voran.
Lebensraum und Vorkommen
Als flexibler und anpassungsfähiger Vogel ist die Dohle in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas heimisch. Sie gilt als Standvogel, der auch in Mitteleuropa ganzjährig beobachtet werden kann. Die Dohle lebt bevorzugt in offenen Landschaften mit Baumbestand und hat sich besonders erfolgreich in der Nähe des Menschen angesiedelt. Man findet sie häufig in Städten und Dörfern, Parks mit alten, hohen Bäumen und baumbestandenen Kulturlandschaften. Als Höhlenbrüterin nutzt sie Gebäude wie Kirchtürme, Ruinen, Schornsteine, Mauernischen und Spalten sowie Baumhöhlen in alten Parkbäumen oder ehemaligen Spechthöhlen als Nistplätze. Wichtig für sie sind offene Nahrungsflächen in der unmittelbaren Umgebung ihrer Brutplätze.
Sozialverhalten und Partnerschaft
Dohlen sind ausgesprochen gesellige Vögel, die in der Regel in Kolonien brüten und in großen Schwärmen auf Nahrungssuche oder zu Gemeinschaftsschlafplätzen fliegen. Die Geselligkeit dient ihnen als Schutz vor Feinden. Sie entwickeln innerhalb der Gruppe eine soziale Rangordnung, wobei nicht nur Stärke, sondern auch Erfahrung eine Rolle spielt.
Besonders hervorzuheben ist ihre lebenslange Paartreue. Dohlenpaare finden sich oft schon im Alter von etwa fünf Monaten, lange vor ihrer Geschlechtsreife, und bleiben ihrem Partner ein Leben lang eng verbunden. Dieses starke Band äußert sich darin, dass die Partner selten mehr als einen Meter voneinander entfernt sind und Verhaltensweisen wie die gegenseitige Gefiederpflege pflegen. Diese enge Bindung hat in China die Dohle zu einem Symbol für eheliche Treue gemacht.
Ernährung und Fortpflanzung
Die Dohle ist ein Allesfresser und ernährt sich opportunistisch von einer breiten Palette an Nahrung. Auf ihrem Speiseplan stehen hauptsächlich Insekten und deren Larven, Würmer und Schnecken, aber auch Sämereien, Früchte, Fallobst sowie kleine Wirbeltiere. In städtischen Gebieten bedient sie sich auch an Siedlungsabfällen. Ihre Nahrung sucht die Dohle überwiegend am Boden in niedrig bewachsenen Bereichen wie Äckern, Wiesen und Weiden.
Die Brutzeit liegt zwischen April und Juni. Das Nest wird in einer Höhle oder Nische aus Zweigen gebaut und mit weichem Material wie Gras, Federn oder Tierhaaren gepolstert. Das Weibchen legt meist drei bis sechs bläuliche Eier. Es bebrütet die Eier allein, wird aber während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach etwa 18 Tagen schlüpfen die Jungen, die als Nesthocker bis zu 32 Tage im Nest bleiben und von beiden Elternteilen gefüttert werden.

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