Der Schwarzstorch ist ein eleganter, großer Schreitvogel und der scheue Verwandte des bekannteren Weißstorchs. Er ist neben dem Weißstorch die einzige in Europa brütende Art aus der Familie der Störche. Im Gegensatz zu seinem Kulturfolger, der oft in menschlicher Nähe brütet, bevorzugt der Schwarzstorch ein verborgenes Leben in ausgedehnten, störungsarmen Wäldern.
Aussehen und Merkmale
Der Schwarzstorch erreicht eine Körperlänge von etwa 90 bis 105 cm und eine Flügelspannweite von bis zu 205 cm, womit er in etwa so groß wie der Weißstorch ist, aber tendenziell etwas leichter. Sein Gefieder ist größtenteils glänzend schwarz mit einem metallischen Schimmer, der je nach Lichteinfall violett oder grünlich erscheinen kann. Nur Brust, Bauch und die Achselfedern sind auffällig weiß gefärbt. Bei den Altvögeln sind der lange, kräftige Schnabel und die Beine leuchtend rot gefärbt, wobei die Intensität während der Brutzeit zunimmt. Jungvögel hingegen zeigen ein matteres, braunschwarzes Gefieder sowie graugrüne Beine und einen graugelben Schnabel. Im Flug ist er leicht als Storch zu erkennen, da er seinen Hals und die langen Beine lang ausgestreckt hält. Anders als der Weißstorch ist der Schwarzstorch weniger ruffreudig; er verständigt sich hauptsächlich durch pfeifende und zischende Laute und klappert nur leise und kurz mit dem Schnabel.
Lebensraum und Verbreitung
Der Schwarzstorch ist in der Paläarktis weit verbreitet, sein Verbreitungsgebiet reicht von Westeuropa bis nach Ostasien. In Mitteleuropa ist er jedoch ein seltener Brutvogel. Er ist ein typischer Waldbewohner und wird daher oft als "Waldstorch" bezeichnet. Sein Idealhabitat sind große, naturnahe Laub- und Mischwälder, die reich an Fließ- und Stillgewässern wie Bächen, Mooren oder Teichen sind. Diese Feuchtgebiete sind essenziell, da sie seine primären Nahrungsquellen beherbergen. Seine extreme Scheu führt dazu, dass er menschliche Siedlungen meidet und sehr empfindlich auf Störungen in seinem Brutrevier reagiert.
Lebensweise, Nahrung und Fortpflanzung
Der Schwarzstorch ist ein Langstreckenzieher. Die europäischen Brutvögel überwintern hauptsächlich in den Feuchtgebieten Afrikas südlich der Sahara, wobei sie entweder eine westliche Route über Gibraltar oder eine östliche über den Bosporus nehmen. Sie kehren im zeitigen Frühjahr, meistens zwischen Ende Februar und März, in ihre Brutgebiete zurück.
Bei der Nahrungssuche agiert der Schwarzstorch als Fischjäger, dessen Speiseplan aber flexibel ist. Er sucht seine Beute bevorzugt in seichten Gewässern, wo er Fische (oft bis zu 25 cm Länge), Amphibien (Frösche, Molche) und Wasserinsekten fängt. Er kann aber auch kleine Reptilien, Krebstiere und Kleinsäuger wie Mäuse erbeuten.
Die Störche leben in monogamen Saisonehen und zeigen eine hohe Orts- und Partnertreue. Ihre großen Horste (Nester) errichten sie meist in hohen Baumkronen alter, starker Bäume wie Eichen oder Buchen, seltener auch in Felswänden. Der Horst wird aus Ästen gebaut und mit Moos und Gras ausgepolstert. Pro Jahr erfolgt nur eine Brut, wobei das Weibchen meist drei bis fünf Eier legt, die beide Partner abwechselnd bebrüten. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungvögel etwa 63 bis 71 Tage im Nest, bevor sie flügge werden. Aufgrund seiner Störanfälligkeit sind die Brutplätze durch einen sogenannten Horstschutz besonders geschützt.
Gefährdung und Schutz
Die Population des Schwarzstorchs in Mitteleuropa war historisch stark dezimiert. Durch intensiven Schutz der Brutplätze und seiner störungsarmen Lebensräume hat sich der Bestand in einigen Regionen, wie Teilen Deutschlands, jedoch erholen und stabilisieren können. Dennoch bleibt der Vogel aufgrund seiner hohen Empfindlichkeit gegenüber Störungen, insbesondere durch Forst- oder Freizeitaktivitäten in Horstnähe, weiterhin auf ungestörte Wildnisgebiete angewiesen. Der Schutz alter, strukturreicher Wälder mit ihren Gewässern ist für das Überleben dieser majestätischen Art von größter Bedeutung.