Der Buchfink ist einer der häufigsten und bekanntesten Singvögel Europas. Sein Name leitet sich wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort "finc" ab, welches "Hüpfer" oder "Springer" bedeutet, oder von der Vorliebe, Samen von Bucheckern und anderen Bäumen zu fressen. Er gehört zur Familie der Finken und fällt besonders durch seinen melodiösen Gesang und die auffällige Färbung des Männchens auf. Fast jeder kennt den lebhaften kleinen Vogel, der sich in Gärten, Parks und Wäldern gleichermaßen wohlfühlt und oft durch sein charakteristisches "fink-fink" auf sich aufmerksam macht.
Erscheinungsbild und Unterscheidung der Geschlechter
Das auffälligste Merkmal des Buchfinken ist der deutliche Sexualdimorphismus, also der Unterschied zwischen Männchen und Weibchen.
Der Buchfink-Erpel (Männchen) trägt während der Brutzeit ein leuchtendes, unverkennbares Prachtkleid. Sein Kopf, der Nacken und der obere Rücken sind von einem markanten blaugrauen Ton, während seine Brust und Wangen in einem kräftigen rostbraun bis weinrot erscheinen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die beiden weißen Flügelbinden auf den dunklen Flügeln, die auch im Flug gut sichtbar sind. Der Bürzel des Männchens ist grünlich. Im Winterkleid ist die Färbung durch helle Federsäume etwas matter.
Das Weibchen ist deutlich dezenter gefärbt, hauptsächlich in einem unauffälligen olivbraunen oder graubraunen Ton gehalten. Diese Tarnfärbung ist wichtig für die Brut, da das Weibchen allein die Eier bebrütet. Auch das Weibchen besitzt jedoch die charakteristischen weißen Flügelbinden, welche ein gutes Erkennungsmerkmal zur Unterscheidung von anderen Finkenarten darstellen. Der Schnabel ist bei beiden Geschlechtern kräftig und kegelförmig, ideal zum Knacken von Samen.
Gesang und Rufe
Der Buchfink ist nicht nur optisch ein Hingucker, sondern auch akustisch sehr präsent. Sein Gesang ist einer der bekanntesten Vogelgesänge in unseren Breiten und wird oft als "Finken-Schlag" bezeichnet. Er ist laut, schnell und endet in einer charakteristischen, abschließenden "Schleife" oder einem "Triller". Der Gesang dient vor allem der Revierabgrenzung und der Anlockung von Weibchen und wird typischerweise von einer erhöhten Warte aus vorgetragen, wie etwa einer Baumspitze. Interessanterweise hat der Gesang des Buchfinken eine regionale Prägung, sodass man dialektale Unterschiede zwischen Populationen feststellen kann.
Neben dem Gesang ist der Buchfink auch durch verschiedene Rufe bekannt. Der häufigste Ruf ist das namensgebende, laute und kurze "fink-fink" oder "pink-pink", welches oft als Kontaktruf dient. Bei Gefahr oder vor dem Flug äußert der Buchfink zudem ein helles, zischendes "tschip".
Lebensraum und Verbreitung
Der Buchfink ist eine der am weitesten verbreiteten Vogelarten Europas und bewohnt beinahe den gesamten Kontinent. Sein ursprünglicher Lebensraum sind lichte Laub- und Mischwälder, aber er hat sich hervorragend an die Nähe des Menschen angepasst. Man findet ihn heute ebenso häufig in Parks, Gärten, Alleen und Friedhöfen bis hin zu städtischen Randgebieten. Entscheidend ist lediglich das Vorhandensein von Bäumen und Büschen, die als Nistplätze und Warte dienen.
Die Art gilt in vielen Teilen Mitteleuropas als Teilzieher oder Standvogel. Das bedeutet, dass ein Teil der Population (oft die Weibchen und Jungvögel) im Herbst in südwestliche Gebiete, wie beispielsweise Südwesteuropa oder Nordafrika, zieht, während die Männchen häufiger in den Brutgebieten überwintern. Daher kommt auch der wissenschaftliche Beiname coelebs, was „der Alleinstehende“ bedeutet und sich auf die Männchen bezieht, die im Winter oft ohne Weibchen zurückbleiben.
Brutverhalten und Ernährung
Die Brutsaison beginnt meist im April. Das Weibchen baut das feine, kunstvolle Nest allein, meist in Astgabeln von Bäumen oder Sträuchern. Das Nest ist eine kleine, dicke Schale, die sorgfältig mit Moos, Flechten und Spinnweben getarnt wird. Ein Gelege besteht in der Regel aus vier bis sechs Eiern, die das Weibchen etwa zwei Wochen lang bebrütet. Die Jungvögel werden anschließend von beiden Elternteilen gefüttert und verlassen nach etwa zwei Wochen das Nest. Oft gibt es zwei Bruten pro Jahr.
Der Buchfink ist in erster Linie ein Samenspezialist und ernährt sich außerhalb der Brutzeit hauptsächlich von den Samen verschiedener Pflanzen, darunter auch Bucheckern, Sonnenblumenkerne und Getreide. Er sucht seine Nahrung oft am Boden. Während der Jungenaufzucht wird die Nahrung jedoch auf tierische Kost umgestellt, da die Nestlinge proteinreiche Nahrung benötigen. Hierzu zählen hauptsächlich Insekten, Spinnen und Larven.

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